… übernimmt das Kommando
Von Björn af Kleen

Alexander Skarsgård hat einen klassischen Durchbruch hingelegt. Nach vielen Jahren der Treffen und der Vorsprechproben hat er eine große Rolle in „Generation Kill“ bekommen, eine TV-Serie über den Krieg im Irak. Björn af Kleen traf ihn in Stockholm, um mit ihm über Vorsprechen, schwedische Filme, Daddy Stellan und die neue Generation Soldaten zu reden.

Klein fühlt man sich, wenn man in der Gegenwart von Alexander Skarsgård ist.

Der sexy Sohn von Stellan hat so breite Oberarme, dass er fast zwei Stühle im Restaurant Gondolen in Stockholm braucht. Er hat ein nasses Gesicht vom ersten Herbstregen.

Skarsgård, geboren 1976, ist jedoch an das harte Klima gewöhnt. Wir denken nicht an den Dreh von „Hundtricket“, den Jugendfilm aus 2002, in dem Alexander Skarsgård Micke spielt, einen ehemaligen Robinson-Teilnehmer (eine TV-Serie, in der Leute auf einer Wüsteninsel ausgesetzt werden und einer muss jede Woche gehen), welcher die Freundin von Ponuts Gårdinger ausgespannt bekommt.

Skarsgård´s Teilnahme in der amerikanischen TV-Serie “Generation Kill”, welche einer Marine Core Staffel am Anfang des Irak-Krieges folgt, ist ein klassischer Durchbruch.

Ich hatte einen Anruf von meinem Agenten in London. Ich war gerade in LA und auf meinem Weg nach Hause, nach Schweden. Er sagte „HBO macht eine TV-Serie aus “Generation Kill”. Kauf dir das Buch und ruf mich an. Sie haben Brad Colbert nicht gefunden, also denke beim Lesen an ihn“

Brad Colbert ist Sergeant im Bataillon, das die Tv-Reihe porträtiert. „Generation Kill“ basiert auf dem gleichnamigen Buch, geschrieben von Rolling Stones – Journalist Evan Wright.

- Es ist ein tolles Buch. Ein magischer Charakter den ich da spielen darf.

Darum hat Alexander während des Vorsprechens seine Muskeln spielen lassen.

- Ich sollte die Rolle namens Iceman spielen. Er ist der coolste Kerl der ganzen Kolonne.. Als ich den Raum kam, war ich deshalb gezwungen, die Rolle des selbstsicheren Schauspielers zu spielen. Ich hatte 14 Minuten Zeit zu zeigen, das ich die Kraft habe, die Icemann braucht.

Zwei Tage später gab es in London ein neues Vorsprechen. Später am Tag dann ein Meeting der Autoren in Baltimore. Und dann zurück nach New York für noch ein Vorsprechen.

Als er endlich die Nachricht bekam, hatte Alexander Skarsgård das Gefühl, er habe die Autoren Ed Burns und Davin Simon reingelegt, welche für die TV-Serie über Baltimre „The Wire“ gefeiert wurden.

- Ich, ein Pazifist aus Stockholm, hatte mir eine Hauptrolle in einer 500 Millionen teuren Produktion über den Krieg im Irak ermogelt. Das machte mich sehr nervös.

+ + +

Es ist vier Jahre her seit Alexander Skarsgård Stockholm und der Rolle des blonden Schönlings entkam. Nun lebt er in einem gemieteten Haus in Hollywood.

-Es waren vier Jahre voller Vorsprechen und Treffen. Vier Jahre, in denen ich sehr nahe dran war, eine Rolle zu kriegen, um dann zu sehen, wie ein andere sie bekam. Enttäuschend. Und dann setzte ich mich wieder in den Sattel. Immer wieder das Selbe, vier Jahre lang.

Von Zeit zu Zeit ging er nach Hause nach Stockholm, um Rückmeldung für sich einzufordern.

- Das war die Art, wie ich mich selbst unterstützt habe. Ich ging nach Hause und machte etwas, um meine Miete zahlen zu können. Aber das Umziehen war keine schwere Entscheidung. Schwedische Filme waren mies in den letzten 10 Jahren. Die meisten waren sogar sehr schrecklich.

-Schweden ist so klein, wenn man dort berühmt als Schönling ist, denkt jeder: wenn wir einen Schönling brauchen, nehmen wir Alex. Also sitzt man da und hat 10 Drehbücher, in denen man einen Schönling spielen soll. Ich habe nichts verloren, als ich nach Hollywood ging.

Das heutige Hauptgericht im Erik Lallerstedts Gondolen ist Cheesburger. Aber Skarsgård mag das nicht und bestellt eine europäischere Alternative: Fisch- und Krabbentiere. Die Pommes mit Mayo bleiben unberührt.

- Die Filmindustrie in Stockholm liebt Schweden, die nach Hollywood gehen und Erfolg haben. Dortige Männer ist nur eine Sache, die sie noch mehr mögen. Schweden, die dort hingehen und versagen.

- “Wie geht es ihnen da drüben?”, fragen sie. „Oh, ich habe wahllosen und häufigen Sex, bekomme aber sonst nichts hin.“

Er lässt seine Stimme einen falschen mitfühlenden Unterton anhaften.

- “Nein, wie traurig, na dann.” Viele Leute fühlen sich gut. Aber nach „Generation Kill“ bekomme ich auf den Rücken gehauen und höre ein „Ich wusste, dass du das gut machst.“

Alexander Skarsgård hat einen Agenten in London, einen in Los Angeles und einen Manager am selben Ort – einen Manager hat 15-20 Klienten wohin gegen ein Agent so um die 600 hat.

Ist das nicht sehr teuer?
- Sie kriegen Prozente. Du bist für sie wie eine Lotterie. Sie nehmen Kunden an die sie glauben und dann hoffen sie, dass Dinge geschehen werden. Dann werden sie bezahlt.

Die Tatsache, dass die Sie angenommen haben, wie viel hat das mit Stellan Skarsgård zutun?

-Mein Vater ist definitiv ein etablierter Schauspieler in den USA, er hat einen guten Ruf, aber er ist kein Star, der Karten verkauft. Keiner sieht einen kommerziellen Vorteil in einem unbekannten Sohn eines europäischen Schauspielers. Ich bin hinter der Linie mit den Kerlen aus Nebraska gewesen.

+ + +

Das Buch „Generation Kill“ porträtiert eine neue Art von amerikanischen Soldaten. Der Unterschied zu den Kriegern um 1900 ist, dass heutige Soldaten in einer weit verbreiteten Kultur aus Gewalt und kriegerischer Ästhetik aufgewachsen sind.

Wie beeinflusst das einen Krieg? Laut Alexander Skarsgård zweifeln heutige Soldaten weniger bevor sie schießen. In der TV-Serie spielt er einen an der Universität erzogenen Strategen, der einen kühlen Kopf behält. Er ist der Kontrast zu seinen schießwütigen Kollegen auf dem Rücksitz des Humvee.

- Die Schinderei hat sich seit dem ersten und zweiten Weltkrieg dramatisch erhöht. Wenn Soldaten noch eine weitere halbe Sekunde warten würden bevor sie schießen, könnten sie vielleicht sehen, dass das Ziel eine Frau, ein Kind oder ein Zivilist war. Viele bekommen posttraumatischen Stress, wenn sie nach Hause kommen und gezwungen sind mit dem Gedanken „hätte ich doch einen kühlen Kopf behalten“ zu leben…

Die TV-Serie ist sehr nah an den Büchern und enthält teilweise direkte Zeilen aus dem Text. Die Charakter sind sehr real.

Hast du mal den echten Brad Colbert getroffen?
- Er ist immer noch bei der Marine und war während der Vorproduktion im Irak. Ich habe ihn bis vor 3 Monaten in L.A., als er bei der Tontechnik geholfen hat, noch nicht getroffen gehabt.

Wie war es ihn zu treffen?
- Ich war verdammt nervös, wissen sie. Evan Wright, der die Bücher geschrieben hat, schlug vor ein Grillfest bei ihm zu Hause zu machen und sich bei ein paar Bierchen zu treffen, da es vielleicht etwas ulkig sei, sich erst auf dem roten Teppich bei der Premiere zu begegnen.

- Aber es war wirklich seltsam. Ich habe in seinem Charakter ein Jahr lang gelebt. Es ist sein Privatleben, was ich auf die Leinwand gebracht habe. Aber er ist ein intelligenter Teufel, also wusste er, dass es eine Art Fiktion ist, auch wenn es auf der Realität beruht.

Was denkt er von sich auf der Leinwand?
- Ich bin nach allem immer noch am Leben. Er hat mich nicht umgebracht.

Aber die komplette Kampfeinheit erschien nicht am roten Teppich. Korporal Harold James Trombley, der am Anfang der Serie so sehr auf´s Töten aus war, blieb zu hause.

- Er war definitiv die Art von Kerl, die den kompletten Krieg als eine Art Videospiel sehen.

+++
In Lumpen (eingezogen zur Wehrpflicht) war Alexander Skarsgård ein Basehunter der Marine (ich habe keine Idee wie das im Englischen genannt wird, also übersetze ich direkt) in Berga auf Stockholms Skärgård (der kleinen Insel außerhalb von Stockholm). Er war der Leiter einer Patrouille und trainierte um die NAVY vor künftigen Attacken zu schützen.

- Es war eine Herausforderung nach der ich gesucht hatte. Ich bin als ein behütetes Kind in Söder (ein Teil von Stockholm) aufgewachsen. Wenn es regnete, bliebst du drinnen.

- Zur gleichen Zeit ist da aber auch ein enormer Unterschied zwischen dem „lumpen“ in Schweden oder als Freiwilliger bei der amerikanischen Marine zu dienen. Unsere Offiziere haben nie jemanden getötet. Das macht etwas mit dir.

Sieben Monate in der Wüste von Namibia beim Filmen. Hast du ein authentisches Gefühl dafür bekommen wie es in einem Krieg ist?

- Nein, aber da waren 3 Jungs, die waren für einige Jahre im Irak. Sie haben gesagt, dass die Dynamik des Filmens sie oft an den Marinechor erinnert. Beeil dich und warte, sagen sie. 80 % warten und 20% Aktion. 40 Jungs ergeben ein gewisses Klima. Eine Schwachsinn wurde geredet. Der Unterschied war, dass wir zum Essen auseinander gingen und an einem guten Buffet aßen.

Im Irak gab ist es Vakuum verpacktes Trockenessen das sich selbst kocht, wenn man Wasser hinzufügt.

Änderten sich deine Ansichten auf dem Krieg im Irak nach dem Filmen?

- Nein, aber ich habe ein neues Verständnis gegenüber den Frauen und Männern, die da sind. Was sie durchmachten und welche Umstände sie dahin brachten. Manchmal wäre die Alternative ein Jugendgefängnis gewesen. Einige sind nur gelangweilt. Sie sitzen in einem verdammten Loch und schauen eine Werbung über einen Ritter in einem coolen Outfit und Schwert. In der Serie scherzen wir darüber, wie viele hinzugekommen sind wegen der Serie.

+++

In „The Wire“, Ed Burns und David Simons letzter Serie, geht es um die journalistische Ader. Simon ist ein früherer Journalist und Burns ein Polizist.

Die TV-Serie ist dem neuen Journalismus der 60er und 70er nicht sehr ähnlich. Es erhascht ein Amerika genau im Jetzt, in diesem Fall das Baltimore der Drogen und Gangs. In der Fiktion ist da ein intensives Realitätsgefühl, gleichzeitig wie es moralisch- philosofische Fragen,wie eine Gesellschaft fungieren und geregelt werden sollte.

Jetzt ist dieser Weg, eine Geschichte zu erzählen, den Qualitätskanälen des Fernsehens übertragen worden, die ihre Goldenen Jahre in einer Art haben, wie sie die Zeitungen in den 60ern und 70ern hatten. Skarsgård stimmt zu.

- Simon und Burns flirten nicht wirklich mit ihren Zuschauern.

Er fragt die Bedienung nach einem Americano. Espresso mit ein paar Tropfen heißem Wasser vor dem Milchschaum.

- Als Zuschauer fühlst du dich fast immer, als wärst du aus Mitleid da. Du solltest nicht wirklich da sein, aber du bekommst einen kleinen Einblick. Das ist das Gefühl. In der Weise wie sie reden, davon verstehst du nicht wirklich alles. Das ist das Gleiche in „Generation Kill“. Da ist ein Punkt: wenn du als Zuschauer jedes Wort verstehst – dann ist es nicht glaubwürdig.

- Es ist verdammt hart ein Skript mit Abkürzungen und Marineslang zu lesen, aber wenn du genauer hinschaust, verstand ich den Grund dafür, es ein wenig schwerer zu machen.

Tatsache ist, dass diese genau dokumentierte Ästhetik Skarsgård zu seiner Traumrolle half. Viel Handkamera. Keine Musik. Dürftige Beleuchtung.

Es wäre total schief gegangen mit Leuten wie Brad Pitt in dieser Rolle. Sie wollten ein unbekanntes Gesicht.

Fakten/ Papa Stelland zeigt den Weg
Name: Alexander Skarsgård, geboren 1976, aufgewachsen in Södermalm (oft auch auf Söder hingewiesen) in Stockholm.

Familie: Papa Stellan Skarsgård, Mama My, vier Brüder und eine Schwester. Auch Bruder Gustaf Skarsgård ist ein Schauspieler.

Hintergrund: Spielte mit acht Jahren den Charakter des Kalle Nubb in Allan Edwalls film „Åke och hans värld“ (1984) (auch Åke and his world/ Åke und seine Welt genannt). Danach tauchte er in anderen Filmen auf darunter „Vita lögner” (1999) (White lies/ Weiß lügt), „Vingar av glas” (2000) (Wings of glas/ Flügel aus Glas), „Zoolander” (2001) und „Hundtricket” (2002) (Dogtrick/ Hundetrick).

Aktuell: Als Brad Colber in der HBO-Serie „Generation Kill“ (die schwedische Premiere war letzten Mittwoch auf Canal Plus) und als Eric, ein Vampir und früherer Wikinger in der TV-Serie „True Blood“, produziert von dem Mann hinter „six feet under“, Alan Ball (aus einer Buchreihe von Charlaine Harris). Premiere ist am 7. September auf HBO.

Ziel: „Noch ein paar Stufen höher zu klettern, so dass ich überall wo ich will leben kann, wie mein Vater, und immer noch Angebote bekomme. Das schafft eine Freiheit. Jetzt muss ich immer noch in Hollywood sein, um zu Meetings zu gehen, zu Vorsprechen und zum Hände schütteln.“

Erst-Veröffentlichung: 5 September 2008 23:30
Letztes Update: 6 September 2008 00:36
Originalartikel

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