“Kinder werden kommen, wenn sie kommen”
Alexander Skarsgård’s harte Arbeit in Hollywood hat ihn in Schwedens heißesten Star verwandelt. Elle hat ihn getroffen und mit ihm über Vampire, Dates und darüber gesprochen, wie es ist, sich nicht am eigenen T-Shirt rumziehen zu dürfen.

Alexander Skarsgård reist durch das Leben mit leichtem Gepäck. Er hat gelernt, nur das, was er wirklich braucht, mitzunehmen, denn Reisen ist nun ein großer Teil seines Lebens. Als Alexander sich mit ELLE traf, wählte er das von Celebritys bevölkerte Café Joan’s on Thirds, zwischen La Cienega Boulevard und Fairfax Avenue in Los Angeles aus. Er hatte gerade Kaffee mit Michael Winscott getrunken. Seitdem er die gefeierte TV Show True Blood dreht (in dieser spielt er den Vampir Eric Northmann), ist er fast 24 Stunden ohne Pause unterwegs. Unser Interview wurde einige Male verschoben. Aber als wir ihn endlich treffen, kann man keine Spur Stress oder Müdigkeit erkennen. Im Gegenteil, wir sehen einen entspannten und bescheidenen Mann, der uns freundlich begrüßt. Auf dem Tisch liegt ein Kurt Vonnegut Buch. „A man without country”. Dieses Buch gibt einen Hinweis auf eine andere Seite von ihm, eine Seite, die der medialen Welt nicht gezeigt wird, aber das erkennt man gleich, wenn man ihn trifft: der höfliche, gut belesene und neugierige Mann, der darauf achtet, alle Namen richtig zu schreiben und nicht missverstanden werden will.
Vladimir Nabokov sagte, dass Neugier der Ungehorsam in reinster Form ist. Neugier ist einer unserer wichtigsten Qualitäten, es sollte niemals erstickt werden, meint Alexander.
Es ist auch offensichtlich, dass Alexander etwas zu Beneidendes hat, eine große, vorantreibende Macht und Ambition. Das Leben des Schauspielers ist nicht so glamourös wie man es sich vorstellt. 16 Stunden Arbeit am Tag ist nichts Ungewöhnliches, und das mit starkem Stress und ohne Sicherheit des Arbeitsplatzes.
-Es ist wirklich hart, groß raus zu kommen. Mann muss sehr entschlossen sein und sehr hart arbeiten, sagt er.
- Wir drehen für True Blood oft nachts, was heißt, ich arbeite von 16.00 Uhr bis 07.00 Uhr, sechs Tage die Woche. Morgens gehe ich nach Hause, schlafe etwas und stehe dann auf, um die neuen Szenen zu lesen und gehe dann wieder ans Set.
In der Serie spielt er den ältesten Vampir, welcher ein Interesse für die weibliche Hauptrolle, Sookie, entwickelt, gespielt von Anna Paquin. True Blood ist eine Vampir Geschichte aber es gibt sehr viele Parallelen zu momentanen Geschehnissen und Phänomenen in der Gesellschaft.
- Die Serie ist ein Mix aus Aktion, Sinneslust, Horror und Comedy. Sie spricht an und ist schlau, sagt Alexander.
Wenn er nicht dreht oder lernt, liest er neue Drehbücher und trifft sich mit Agenten oder geht zu Castings. Er spielte auch Lady Gaga’s gemeinen, schwedischen Freund in ihrem Video Paparazzi, welches von Jonas Åkerlund gedreht wurde. Seit er einen Vampir spielt, darf er nicht mehr in die kalifornische Sonne, heißt, er darf nicht braun werden. Wie dem auch sei, er sagt, er beschwert sich nicht.
- Ich habe den tollsten Job der Welt! Es macht so viel Spaß, ich liebe jeden Moment. Und manchmal habe ich 3 Tage am Stück frei, sagt er mit einem Lächeln.
Es gibt keine Zeit zum Durchfeiern und das ist der Grund, weshalb es gut ist, Freunde zu haben, die den gleichen Beruf haben. Alexander hat sich gut mit seinen Kollegen aus Generation Kill angefreundet, der gefeierten TV-Serie über amerikanische Soldaten im Irak.
- Sie sind wie Brüder für mich. Es ist toll, sie um mich zu haben. Wir haben die selben Erfahrungen gemacht und haben die selben Ziele, sagt Alexander.
Die Aufnahmen haben die Schauspieler zusammengeschweißt.
-Wir haben 7 Monate in Mosambik, Namibia und Süd Afrika verbracht. Es war die intensivste Erfahrung, die ich je gemacht habe. Ich habe von 145 Drehtagen 142 gearbeitet. Wir haben von Montag bis Sonntag gedreht und Sonntags habe ich die Szenen für die kommende Woche gelesen und mit meinem Akzent-Trainer geübt, verrät Alexander, der viel Bewunderung für sein nun perfektes Amerikanisch bekam.
- Ich bin sehr stolz auf Generation Kill. Der Dreh war extrem. Ich habe noch nie so viel geopfert, aber auch noch nie so viel zurück bekommen. Die Serie hat mir einen Einblick in das reale Leben eins Soldaten gegeben, welches total anders ist, als die Versionen, die wir im TV sehen, sagt er.
Nach 5 Monaten hatte Alexander ein langes Wochenende. Er flog von Südafrika aus nach Stockholm nach Hause von, also verbrachte er viel Zeit in Flugzeugen und auf Flughäfen. Ein einziges Abendessen mit seiner Familie und Freunde war alles was er hatte.
- Es war die beste Nacht meines Lebens! Ich habe jeden Bissen Essen genossen und es war so fantastisch, bei meiner Familie und Freunden zu sein. Dann war es an der Zeit, für weitere zwei Monate zur Arbeit ohne Pause zurück zu kehren.
Das erste Mal wurde Alexander im Alter von 13 Jahren auf der Straße erkannt. Er hasste es.
- Zu dieser Zeit hatte Schweden nur zwei Fernsehsender (TV1 und TV2). Wenn du in einer TV-Show warst hat dich jeder gesehen. Das ließ mich mich extrem unwohl fühlen, sagte Alexander.
Also entschied Alexander, sich auf andere Dinge als das Schauspielern zu konzentrieren. Er machte seinen Wehrdienst und hatte Pläne, Architekt zu werden. Dann begann er sich nach der Schauspielerei zu sehnen. Als er wieder in dem Beruf war, hatte er eine emotionale Distanz zu dem Job. Es lief nun nach seinen eigenen Regeln. Als Beispiel: Alexander hat nicht wie die meisten Hollywoodschauspieler seinen eigenen Fitnesstrainer und PR-Agenten.
- Ich brauche niemanden, der mir die Hand hält oder für mich spricht. Es fühlt sich überflüssig an. Ich kann die U-Bahn zur Arbeit nehmen und meine Sachen selber aussuchen, sagt er.
Trotz seines vollen Arbeitsplanes achtet er immer noch auf seine eigenen Interviewvoranmeldungen und alles andere rundherum um das Schauspielern. Wenn er sich aussuchen könnte, welchen Star er am liebsten treffen würde, wäre das Gary Oldman.
- Ich habe ihn in der U-Bahn in Brooklyn gesehen. Ganz alleine, keine Starallüren. Und total cool, natürlich.
Ein großer Unterschied zwischen der Arbeit mit Filmen in Schweden und den Staaten ist die Anzahl an Leuten um dich herum, die dir sagen was du tun sollst.
- Es ist eine ganze Crew um dich herum, die mitbestimmt, wenn du die Farbe deines T-Shirts ändern willst. Und dann brauchst du eine unterschriebene Genehmigung. Aber ich hatte den Luxus, dass meine Meinung in den meisten Projekten, an denen ich mitgewirkt habe, angehört wurde. Sie haben Vertrauen in meine Sichtweise gelegt und mir Freiraum zur Entwicklung des Charakters gegeben.
Nach zwei HBO TV-Serien wird Alexander nun auch in den Staaten erkannt.
- In Schweden wispern die Leute und zeigen auf dich. Hier fangen sie auch an zu reden und zollen dir Anerkennung. Nach Generation Kill kamen viele Jungs zu mir, um über den Krieg zu diskutieren.
Auch das Familienoberhaupt des Skarsgård-Clans, Stellan, wird in den Staaten erkannt. Aber Alexander fühlt keinen Druck mit seinem Vater verglichen zu werden.
- Das ist etwas was nur Journalisten aufziehen. Die Leute mit denen ich arbeite kennen mein Potential. Ich muss mich nicht mehr beweisen.
Wenn Alexander nicht arbeitet, dann reist er. Im letzten Jahr war er in einem Skiurlaub in Aspen, verbrachte Neujahr auf der Insel Mustique, hatte ein langes Wochenende in San Francisco und war auf dem Musikfestival Coachella außerhalb von Palm Springs.
- Ich genieße das Reisen und habe gelernt leicht zu packen. Das einzige was ich immer mitnehme ist mein iPod.
Alexanders nomadenartiger Lebensstil spiegelt sich auch in seinem Privatleben wieder. Er verspürt keinen Stress sesshaft zu werden und hat noch nicht viele amerikanische Frauen ausgegangen.
- Kinder kommen, wenn sie kommen. Ich bin schon 7 Jahre hinter meinem Vater, sagt er lachend.
Er hat auch keinen festen Wohnsitz in LA, stattdessen lebt er bei Freunden.
Ich komme aus einer großen Familie und ich bin ein „soziales Tier“. Wo ich lebe und wie ist nicht wichtig, solange ich von Menschen, die ich mag, umgeben bin.
Aber Alexander nennt Stockholm sein zu Hause.
- Das werde ich immer tun, sagt Alexander grinsend bevor er sein Buch unter den Arm nimmt und zu seiner Nachtschicht geht.
7 schnelle Fragen an Alexander:
Ich werde sauer bei: spießigen Leuten
Ich lache bei: dem Komiker Mitch Hedberg
So bekommst du mich zum tanzen: das ist einfach – mach mich betrunken
Bester Ratschlag den du von deinen Eltern bekommen hast: „Mach was du willst“
Favorisierter Designer: Rick Owens
Favorisierte Orte in LA: einfache Stammlokale wie Rockbars und Orten mit Jukebox.
Eine perfekte Freitagnacht: Ich gehe den Smell in Downtown entlang und höre finsteren Industrierock. Dann gehe ich nach Hause, nehme ein nächtliches Bad im Pool mit meiner Ersatzfamilie.
Auf Alexanders Ipod:
The Chameleons: „Eine britische Band aus den frühen 80ern, irgendwo zwischen den Smiths und Joy Division“.
Marianne Faithfull: Ihre ältere Musik, wie „Broken English“. Du kannst hören, dass sie ein raues Leben hatte.
Jussi Djörling: Was für ein verfluchter Held! Er hat eine so unbeschreibliche Stimme mit einer einzigartiger Kraft, Gefühl und Mitgefühl.
Quelle: Elle Schweden, Ausgabe August 2009,
Übersetzung: TAZ und CARO,
Lektorat: Frau Dr. galadriel, WMFC/AS

