Die Männer aus True Blood

Von Meghan Daum, Photos von Norman Jean Roy

Drei Wochen vor seiner geplanten Abreise aus Stockholm, Schweden, um nach New York auf die Schauspielschule zu gehen, traf er ein Mädchen und verliebte sich. Er ging trotzdem nach Übersee und versprach, die Beziehung auch über 4000 Meilen hinweg aufrecht zu erhalten. Das war 1997, an Skype oder allgegenwärtige Emailverbindungen war noch nicht zu denken, und Skarsgård war pleite. Er konnte es sich nicht leisten, für mehr als nur ein paar Minuten mit seiner Freundin zu sprechen, geschweige denn sie für einen Besuch herüberzuholen, und er war zu stolz um seinen Vater – der übrigens Stellan Skarsgård ist – anzupumpen. Er mochte den Unterricht am Marymount Manhattan College, die Stadt selber jedoch fand er einsam und anstrengend. Er lebte in einer Studentenbude mit einem dauerhaft defekten Fahrstuhl, also war er gezwungen die neun Stockwerke zu seiner Wohnung hinaufzulaufen. Als er das nicht mehr aushalten konnte, zog er in ein Zimmer nicht größer als “ein Schrank” am Times Square, von dem er selber sagt es sei der “denkbar schlechteste Ort, um in New York City zu leben.” In der Zwischenzeit beschloss die Freundin auf der anderen Seite des Atlantiks, dass sie lieber zu ihrem Ex zurückkehren möchte.

“Also dachte ich, fuck it – ich gehe zurück nach Schweden, ” erinnert sich Skarsgård, mittlerweile 33. “Ich habe die Schule geschmissen und ging zurück, aber es war als hätte ich sie nur in meinem Kopf erschaffen. Wir waren zwei Wochen zusammen und sind überhaupt nicht miteinander klargekommen.”

Skarsgård erzählt die Geschichte ungerührt und mit Selbstironie. Klar war das Mädchen noch in der Schule und lebte bei den Eltern. Sicher, es dauerte 7 Jahre bevor er es zurück in die Staaten schaffen würde. Sicher hätte er es besser wissen müssen, als seine Karriere in Amerika zu beenden, bevor sie überhaupt begann. Aber sogar Eric Northman, der 1000 Jahre alte Viking-Vampir den er in True Blood verkörpert, war mal jung. Und Skarsgård, beeindruckend und gut gebaut bei 1,93 m , ist wesentlich menschlicher als seine Erscheinung – und auch seine Rolle – ahnen lässt.

Man kann nicht sagen, dass er nicht voll im Hollywood-Gerangel mitmischt. Zuvor wurde er in Sachen Romantik mit seiner True-Blood-Kollegin aus Staffel 2, Evan Rachel Wood, in Verbindung gebracht, jetzt soll angeblich etwas zwischen ihm und Kate Bosworth laufen, seiner Partnerin im Remake von Straw Dogs. Weiterhin gab er Lady Gaga’s Liebhaber- sehr mysteriös (mit Augenklappe) – im Musikvideo für Paparazzi. Und, schlussendlich ist da die Tatsache dass er der Sohn eines Filmstars ist, Skarsgård Senior hat in Klassikern wie “Breaking the waves” und Blockbustern wie “Fluch der Karibik” und “Mamma Mia” mitgewirkt.

Aber betrachten wir das einmal aus einem anderen Blickwinkel. Bis Skarsgård Junior das Ende seiner Teenagerjahre erreicht hatte war sein Vater nur in Schweden berühmt. „Ein Star in Schweden zu sein ist wie ein Star in Omaha zu sein,“ sagt er und fügt hinzu, dass es dort weder Paparazzi noch große Gehaltsschecks gibt (obwohl die Maschinerie immerhin groß genug war, um Alexander 5x zum sexiest Man in Schweden zu voten). Es stimmt zwar, dass Stellans Sohn ein Kinderstar im Schweden der 80er Jahre war, allerdings hasste er seine Rolle als Mädchenschwärm.

„Das mochte er überhaupt nicht” erinnert sich Stellan. „Als er 12 war standen die Mädchen Schlange vor dem Haus. Sie baten seinen jüngeren Bruder Gustaf, sie doch hineinzulassen, und manchmal klappte das sogar.”

Alexander wollte ein ganz normales Kind sein, herumhängen und Fußball spielen. „Mein Vater hat mich voll unterstützt, als ich meine Schauspielkariere aufgab.“ sagt er. „Er sagte zu mir, wenn du das Gefühl hast einen anderen Weg gehen zu müssen, solltest du das tun.“

Der andere Weg war Englisch an der Leeds Metropolitan University in England zu studieren, gefolgt vom 15-monatigen Militärdienst bei der schwedischen Marine. „Schweden ist wahrscheinlich eines der drei Länder, in denen Krieg höchst unwahrscheinlich ist, also ist das Militär dort ziemlich sicher.“ räumt er ein. Die Kehrseite ist, dass viele Missionen schlicht und ergreifend lächerlich waren. Stell dir eine viertägige Rund-um-die-Uhr Überwachung einer Radio-Antenne vor.

„Man konnte weder sprechen noch sich bewegen“, erinnert sich Skarsgård. „Man musste in eine Flasche pinkeln. Ich hatte massenhaft Zeit zum Nachdenken. Ich erkannte, dass ich Bühne und Filmset vermisste.“

„Ich hatte ein Zimmer im Appartement eines extravaganten philippinischen Designers. Drei Jungs wohnten bei ihm – alle um die 20 (lacht). Wir hatten eine sehr interessante Beziehung. Ich glaube er wollte mehr als ein Freund sein. Er wusste, dass ich eine Freundin hatte. Aber vielleicht dachte er, er sei unwiderstehlich.“—SKARSGÅRD

Schließlich, nach seinem abgebrochenen Versuch an der Schauspielschule, begann er seinen Weg ins schwedische Filmbusiness und machte sogar einzelne Hollywood Filme, wie Zoolander, in dem er eine kleine Rolle als Ben Stillers Model-WG-Mitbewohner hatte. Aber Skarsgårds eigentlicher Durchbruch kam 2008 mit der gefeierten HBO-Miniserie “Generation Kill”, in der er Sergeant Brad “Iceman” Colbert spielte. Kurz vor seiner Abreise nach Afrika, wo dieses Projekt gedreht wurde, hörte er davon, dass der Sender True Blood plante.

„Ich dachte, ‘Oh, Vampire-Ich weiß nicht.’“ gibt er zu. „Aber dann sagten sie, Alan Ball steckt dahinter, und ich war ein großer Fan von “Six feet under” und “American Beauty”. Ich sprach per Band direkt aus meinem Hotelzimmer in Mosambik für die Rolle vor.“

Das Vorsprechen war eigentlich für die Rolle von Bill Compton, die Stephen Moyer dann bekam. „Alex war nicht ganz das Richtige für Bill“, erinnert sich Ball. „Aber ich erinnere mich, dass er riesig und unglaublich gutaussehend war. Als das Casting für die Rolle des Eric begann, dachte ich sofort an ihn. Er hat unglaubliche schöne Augen. Aufgrund ihrer Farbe – ein fantastisches Blau-Grün – ist er in der Lage den Blick nachdenklich und abwesend wirken zu lassen und dabei trotzdem nicht den Fokus zu verlieren.“
Das ist eine Technik, die sich Skarsgård von Bela Lugosis Dracula und Murnaus und Herzogs Versionen von Nosferatu und auch The Lost Boys abgeschaut hat. Aber diesen Blick – ebenso wie die Unergründlichkeit und Spannung, die er Eric verleiht – hat er von Naturdokus gelernt.

„Das ist so, als siehst du diesen großen Löwen , der in der Sonne rumliegt . Er setzt sich auf und schaut auf etwas, und du weißt nicht ob er sich darauf stürzen oder sich doch lieber wieder hinlegen will.“ sagt Skarsgård mit durchdringendem, ruhigen Blick und man ist sich nicht sicher, ob er vielleicht jeden Moment gähnen muss.”Man weiß nie, ob er gelangweilt oder frustriert oder sonst was ist.”

Quelle: Details

Danke emmy

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