Millennium Man
Alexander Skarsgard ist TRUE BLOOD’S 1.000 Jahre alter Vampir – aber seine beste Zeit in Hollywood fängt gerade erst an
Von LESLIE GORNSTEIN / Fotos von CHAD PITMAN / Styling: JESSICA DE RUITER (der wir die Schuld für den Eyeliner in die Schuhe schieben) / Produziert von KIM POLLOCK (In Los Angeles werden jetzt schon Interviews „produziert”?)
Man kann Alexander Skarsgård wirklich nicht vorwerfen, dass er sich wie ein Hollywoodstar aufführt. Bei einem Photoshoot erschien der 1,94 m große schwedische Adonis, der zurzeit in der HBO-Hitserie True Blood die Fernsehgeräte zum dampfen bringt, ohne großes Gefolge und parkte sein Auto auf demselben Parkplatz wie das Team. Seine unverschämte Forderung am Set? Einen Kaffee bitte. Oh, und er bot an, als sein eigenes Lichtdouble zu fungieren. Das hatten wir auch noch nicht erlebt.
Das bodenständige und sympathische Auftreten des Schauspielers, das bei seinem markanten, Hollywoodstar-Aussehen nur noch erstaunlicher wirkt, versetzte das ganze Team in leichte Fassungslosigkeit. Hier sind eben sonst die anspruchsvollen Star-Bedürfnisse zu Hause. Wenn also jemand so angenehm und gelassen wie Skarsgård vorbeikommt, wissen wir schon fast gar nicht mehr wie wir auf ihn reagieren sollen.
Und doch kann man nicht bestreiten dass er ein geborener Star ist. Die Schauspielerei wurde ihm praktisch vererbt, denn er ist der Sohn des schwedischen Schauspielers Stellan Skarsgård. Wie schon sein Vater begann Skarsgård der Jüngere seine Karriere als Kinderstar in Schweden. Die amerikanischen Fans sahen ihn zum ersten Mal durch den Staub und Zynismus der HBO-Serie Generation Kill hindurch, in der er die Szenen, in denen er zu sehen ist so mühelos beherrscht wie seine Figur, Sergeant Brad „Iceman“ Colbert, seine Marines herumkommandiert.
Aber es ist True Bloods unglaublich attraktiver Vampirsheriff Eric Northman, der ihn zum echten Sexsymbol gemacht hat. Jetzt mit 33 Jahren ist Skarsgård so gefragt – hier in Amerika und in Schweden – dass er zwischen Staffel zwei und drei von True Blood zwei Filme gleichzeitig drehte. Und seine sportliche, gemeißelte anmutende Statur und seine unwiderstehlichen blauen Augen haben seine Fans in einen so aufgeregten Zustand der Anbetung versetzt, dass sich einige von ihnen selbst einen Namen gegeben haben: Skarsgårdians.
Die Handlung der dritten Staffel True Blood, die in den USA im Juni startet, hat bis jetzt noch kein Sonnenlicht gesehen (oh wie diese Vampirgeschichten die Wortspiele provozieren), aber Skarsgård hat bereits angedeutet, dass Eric Northmans Machenschaften interessanter werden als je zuvor. Hoffen wir, dass sich die Skarsgårdians zusammenreißen können.
Leslie Gornstein: Ich könnte mir vorstellen, dass einen Vampir zu spielen im Moment so ähnlich sein muss wie bei einer erfolgreichen Filmreihe wie Star Trek oder Star Wars mitzuwirken. Man wird auf Schritt und Tritt verfolgt und angehimmelt. Was glauben Sie macht Vampire so interessant?
Alexander Skarsgård: Die Leute sind davon fasziniert, weil Vampire die Unsterblichkeit verkörpern. Und eine Figur wie Eric existiert schon seit tausend Jahren. Er trägt eine solche Menge an Weisheit und Erfahrung mit sich herum, das ist einfach attraktiv. Was Vampire außerdem zur guten Grundlage für Drama macht, ist die Tatsache, dass sie eine unglaubliche Bedrohung darstellen. Eric ist ein Tier. Er ist so unberechenbar, dass du nicht weißt ob er sich nicht jeden Moment gegen dich wenden und dich töten wird.
Sie haben den amerikanischen Film Straw Dogs und den schwedischen Film Puss, der in Amerika unter dem Titel Trust Me bekannt ist, beide während der letzten Pause zwischen den Dreharbeiten für True Blood gefilmt. Sie haben auch gesagt, dass Sie nie aufhören wollen, schwedische Filme zu drehen. Können Sie dazu ein bisschen was erzählen?
Es geht nicht darum, ob es ein schwedisches oder amerikanisches Projekt ist. Für mich geht es immer um die Qualität der Story, wer der Produzent oder Regisseur ist und ob das Drehbuch oder die Figur mich besonders interessieren. Ich brauche das, damit ich kreativ sein kann.
Straw Dogs und Puss sind so verschieden. Der eine ist ein Remake des Klassikers von Sam Peckinpah, der andere ein Independent-Film. Wieso gerade diese beiden?
Für Straw Dogs habe ich mit Rod Lurie gearbeitet, der auch The Contender und [die Fernseserie] Commander in Chief [Anm.: dt. Welcome Mrs. President]. Wir haben uns getroffen und ich fand das Projekt sehr interessant. Puss – das ist Schwedisch für „Kuss“ – ist ein Film, von dem ich sofort begeistert war. Der Regisseur war Johan Kling, der vor drei Jahren den Film „Darling“ gedreht hat. Ein wirklich schöner Film, in dem es um die unkonventionelle Freundschaft zwischen einer Frau und einem älteren Mann geht. Als er mich anrief und fragte, ob ich in seinem nächsten Film mitspielen will, hab ich sofort zugesagt. Ich will ganz unterschiedliche Figuren spielen, an verschiedenen Projekten und in unterschiedlichen Sprachen arbeiten. Straw Dogs und Puss gleichzeitig drehen und dann sofort mit True Blood weitermachen? Das hat mich auf Trab gehalten.
Nicht nur auf Trab, sondern auch im Flugzeug, oder?
Stimmt, ich bin ständig zwischen Shreveport, Louisiana und dieser winzig kleinen Insel in der Ostsee hin und her geflogen. Es hatte was von einem kleinen Alptraum, denn die Flugzeit für eine Strecke war ungefähr 23 Stunden. Und sobald ich dann gelandet war, musste ich direkt vom Flughafen ins Studio, um dann für 14 Stunden zu arbeiten. Ich glaube ich bin in der Zeit ungefähr 20 Jahre gealtert.
Aber viele Schauspieler brauchen Zeit, um zwischen Charakteren zu wechseln, sich vorzubereiten und wirklich auf die Rolle einzulassen.
Ich weiß. Im Idealfall wäre ich nach Schweden zurück, hätte mich eine Woche lang entspannt und darauf eingestellt, aber das war die einzige Möglichkeit die wir gefunden haben. Ich habe mich auf beide Filme schon vor dem Dreh vorbereitet und dann während dem Flug so viel wie möglich geschlafen.
Offenbar haben Paparazzi Fotos von Ihnen, wie Sie alleine ins Kino gehen. Aufsteigende Hollywoodstars gehen nirgendwo alleine hin – gucken Sie denn nicht Entourage?
Ich bin kein “Hollywoodschauspieler”. Ich bin gesellig, aber ich bin keiner von diesen Schauspielern, die bei einem Dreh mit 15 Agenten, Managern und PR-Leuten auftauchen. Mit so einem „Gefolge“ würde ich mich sehr unwohl fühlen.
Sie waren in Schweden bereits ein Kinderstar. Hier in Amerika ist dieser Begriff mit einem ganz bestimmten Stigma behaftet – verlorene Kindheit, zu viel Druck. Erinnert diese Erfahrung in Schweden weniger an Drew Barrymore als hier?
Nein, also wir haben nicht diese typischen Bühneneltern in Schweden, so wie es hier die Hollywood-Mütter und Väter gibt. Es ist da keine so große Industrie und meine Eltern haben mich nie in diese Richtung getrieben. Ein Kinderschauspieler zu sein kann wirklich sehr hart sein. Viele haben später jede Menge Probleme. Ich konnte diese Bekanntheit mit 13 nicht ausstehen, ich mochte es nicht wenn mich die Leute erkannt haben.
Also haben Sie aufgehört, richtig?
Ja, ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich das nicht mehr machen möchte und sie haben beide gesagt: “Das ist ein harter Beruf und wenn es da draußen etwas gibt, was du lieber machen willst, dann mach es. Werd nur Schauspieler wenn du meinst das ist der einzige Beruf für dich.“ Mein Vater ist Schauspieler. Ich hatte keine Ahnung was ich mal werden wollte, ich wusste nur, dass ich mich mit der Schauspielerei nicht mehr wohl gefühlt habe.
Warum sind Sie zur Schauspielerei zurück?
Ich hab es vermisst. Auf der Bühne stehen oder vor der Kamera. Ich dachte, ‘Na gut, jetzt bin ich 20 statt 13. Vielleicht bin ich jetzt etwas anders als vor sieben Jahren und ich schulde es mir selbst, es noch mal zu versuchen. Und wenn ich mich noch immer unwohl fühle, kann ich es endgültig abschreiben. Dann weiß ich es mit Sicherheit und kann was anderes machen.‘ Aber es war genau so wie mein Vater gesagt hatte: Ich wusste, dass das der einzige Beruf für mich ist.
Kann ich hier etwas Negatives über Ihre Lieblingsfußballmannschaft Hammarby sagen, oder sind Sie ein kleiner Hooligan?
[Lacht] Ich versuche mich da wie ein Erwachsener zu benehmen, aber es funktioniert nicht.
Ich habe gesehen dass es “Mrs. Skarsgard“ Tassen auf einer Ihrer Fanseiten im Internet zu kaufen gibt. Fühlen Sie sich eher geschmeichelt oder unwohl dabei?
Nein nein, das schmeichelt mir, sogar sehr. Damit ich nicht den Verstand verliere halte ich mich von den Fanseiten, Blogs und Twitterern aber meistens fern.
Von den Skarsgårdians. Das heißt also, wenn sich jemand der bei Twitter als Alexander Skarsgard ausgibt, sind das nicht Sie?
Nein, ich bin das nicht.
Mit 23 war Ihr Idol – laut einem Interview, dass Sie damals gegeben haben – Eddie Izzard, Ihr Lieblingsfilm war Duck Soup und Ihr Lieblingsbuch Die Asche meiner Mutter. Gibt es da ein Update?
Naja, ich bin noch immer ein riesen Fan von Eddie Izzard, also habe ich das vermutlich wirklich gesagt. Damals war ich ziemlich von ihm besessen. Und Duck Soup ist immer noch einer meiner Lieblingsfilme. Als wir Kinder waren hatten meine Brüder und ich alle drei Marx-Brothers-Filme auf Video und sonntags sind wir morgens aufgestanden und haben Eier-Toddys gemacht. Gibt es die hier auch?
Eggnog?
Nein, Toddys. Wir haben einfach sechs Eier roh in einen Mixer getan und so ungefähr zwei Tonnen Zucker draufgegeben. Dann wurde das gemischt und wir haben es getrunken während wir Marx-Brothers-Filme gesehen haben.
Im gleichen Interview haben Sie ein Männchen mit dünnen Haaren und einer langen, leicht gurkenförmigen Nase gezeichnet. Wer war das?
[Lacht] Ehrlich gesagt kann ich mich nicht erinnern, aber so wie ich mich kenne war ich das wahrscheinlich selbst.
Danke Emmy!

