Die sanftere Seite von Alexander Skarsgård

Bevor ihn True Blood und Generation Kill zum Star machten, war der schwedische Schauspieler ein echter Marine

Von: Stephen Armstrong

(HBO/Everett)

Falls es so etwas wie Mojo gibt, Alexander Skarsgård hat es ganz sicher. Der Mann ist ein lebender Axe-Werbespot. Ich kenne Frauen – Frauen, die in der Modebranche oder mit Welpen und Kuscheltieren arbeiten und die man mit Gewalt ans Sofa fesseln müsste damit sie sich etwas ansehen, in dem auch nur eine einzige Waffe oder eine winzige Explosion gezeigt wird – sind begeistert von Generation Kill, einer schonungslosen, im Dokumentarstil gedrehten Drama-Serie, in der sich US-Marines während des Einmarsches in den Iraq technisches Kauderwelsch zubrüllen. Und das nur, weil Skarsgård mitspielt.

Beyond the Pole, eine Low-Budget-Komödie der britischen Regisseurin Helen Baxendale, in der es um ein paar liebenswerte Tollpatsche in der Arktis geht, wird es in den USA wohl einzig und allein deshalb ins Kino schaffen, weil Skarsgårds weibliche Fans ihren Stammkinos aufs Dach gestiegen sind, um den Film sehen zu können. In True Blood spielt er einen unwiderstehlichen, imposanten, unnahbaren und oft nur spärlich bekleideten Vampir, der außergewöhnlich geistreich und intelligent ist. In der zweiten Staffel, die bald auf FX zu sehen sein wird, wird der kühle Eric aus Staffel 1 in eine heiße Dreiecksgeschichte mit Anna Paquin (und Stephen Moyer) verwickelt und begibt sich auf die Suche nach seinem Freund und Mentor. Er ist also sensibel und leidet. Die Reaktion der weiblichen Zuschauer kann man sich vorstellen.

Trifft man ihn persönlich, ist er ruhig, höflich und selbstironisch. Eigentlich hatte ich erwartet, beim Betreten des Raums von einer tosenden Flutwelle Testosteron gegen die Tür geschleudert zu werden, während ich meine Augen von der Herrlichkeit seiner maskulinen Pracht abwenden muss. Stattdessen finde ich einen freundlichen Schweden vor, dessen attraktive Hände damit beschäftigt sind, seinen Tee umzurühren. „Sie sind nicht was ich erwartet hatte.“ sage ich. Er zuckt nur mit den Schultern.

Ich spiele jemanden der schon tausend Jahre auf dem Rücken hat, der witzig und selbstbewusst, aber gleichzeitig unglaublich gefährlich ist. Er verfügt über mehr Erfahrung und Wissen, als Sie oder ich in unserem ganzen Leben jemals haben werden.“ Er fährt lächelnd fort: „Er ist ein Blutsauger mit unternehmerischem Gespür, aber Tatsache ist, dass er eben auch ein Tier ist, das sich blitzschnell gegen dich wenden und dich töten kann. Er ist ein Raubtier – klingt das vielleicht nach ein er Rolle für die ein ganz bestimmter Typ gesucht wird?“

Naja, eigentlich nicht. Aber irgendwie doch. Alexander Skarsgårds Weg zum Erfolg war kompliziert und auf besagtem Weg lernte er, mit bloßen Händen zu töten. Im Ernst.

Sein Vater ist Stellan Skarsgård, Schwedens bekanntester Schauspieler, der vor kurzem in Mamma Mia! zu sehen war. Darin spielte er den anderen Vielleicht-Vater-aber-nicht-Colin-Firth-oder-Pierce-Brosnan. Alexander wuchs in einer Showbiz-Familie auf und hatte seit seinem siebten Lebensjahr selbst geschauspielert. Mit 13 Jahren verhalf ihm der Erfolg des schwedischen Films „The Dog That Smiled “ in seiner Heimat zu einem Bekanntheitsgrad, der selbst für Daniel Radcliffe schwer nachzuvollziehen wäre. Man mag es kaum glauben, aber er ergriff die Flucht.

Dieser Erfolg hat mir Angst gemacht.“ sagt er. „Wenn dich die Leute auf der Straße anstarren – das war mir mit 13 einfach zu viel. Ich dachte ‚Wenn das Berühmtsein bedeutet, gefällt es mir kein bisschen.‘ Also habe ich mit 13 mit der Schauspielerei aufgehört, weil mir das alles einfach unangenehm war. Ich dachte mir ‚Das ist nichts für mich.‘“

Also ging er zur Schule, traf sich mit Freunden, trat mit 19 einer Antiterror-Eliteeinheit der schwedischen Marines bei und wurde in Nahkampf, Küstenlandung und Sabotagebekämpfung ausgebildet. Wie das so ist.

Es war Militärdienst.” betont er. „Allerdings war es zu der Zeit ziemlich einfach da herauszukommen. Die meisten von meinen Freunden haben keinen Militärdienst geleistet, sondern die 15 Monate zum rumhängen, trinken und Grasrauchen genutzt. Warum ich es gemacht habe? Ich war 19 und war im Zentrum Stockholms aufgewachsen. Stockholm ist wie jede andere europäische Großstadt und ich war ein Stadtkind. Wenn es regnet geht man nicht raus. Ich wollte die Herausforderung, ich war neugierig. Ich wollte sehen wie ich mich verändern würde.“

Deshalb bin ich genau dieser Einheit beigetreten, der Sabotagebekämpfungs- und Antiterroreinheit. Ich habe alles Mögliche gemacht, bei dem man als 19-jähriger natürlich einfach wissen will, ob man es schafft. Die meiste Zeit hab ich es gehasst, weil viele der Jungs, die auch dabei waren unbedingt James Bond spielen wollten. Ich war eher ein Hippie. Aber es war eine gute Erfahrung.“

Auch um ihn auf die Rolle als Iceman in Generation Kill vorzubereiten? „Naja, ich wusste schon wie man eine Waffe auseinandernimmt und all das.“ nickt er. „Meine Ausbildung war ähnlich wie die, die diese Jungs bekamen. Vor allem wenn es um die Details ging, wie zum Beispiel den gegenseitige Respekt und wie man mit den Waffen und der Ausrüstung umgeht. Es war hilfreich, dass ich diese Sachen schon bei den schwedischen Marines gelernt hatte.“

Aber mal ehrlich, ” und dabei lehnt er sich nach vorne, “es sind eben immer noch die schwedischen Marines. Wir marschieren nicht in den Iraq ein und niemand schießt auf uns, man kann das also nicht wirklich … ich habe Schweden nie verlassen. Unsere ganze Ausbildung fand hier statt.“ Er lächelt. „Unser letzter Krieg ist 200 Jahre her.“

Nach diesem ganzen Eliteeinheit-Stress war es an der Zeit ein bisschen zu entspannen und an seiner Zukunft zu arbeiten. Und welcher Ort wäre besser geeignet als die Leeds Metropolitan University in England? Er fährt lachend fort: „Ich brauchte einfach eine Pause. Ich ging zur Schule, dann kam der Militärdienst; ich hatte zwölf Jahre lang einen vollen Terminplan gehabt und musste einfach mal ein bisschen entspannen. Meinem Freund ging es genauso. Wir sind also nach England und haben studiert, aber um ehrlich zu sein haben wir die meiste Zeit rumgehangen und Spaß gehabt.“

Wir haben in Headingley in dieser Kellerwohnung ohne Heizung gewohnt, in Schlafsäcken geschlafen und das Bad mit einem Drogendealer geteilt, der aus irgendeinem Grund von der schwedischen Königin besessen war. Er hat uns gesehen und sofort gefragt ‚Seid ihr aus Schweden?‘. Dann hat er uns in sein Zimmer eingeladen. Er war unglaublich widerlich und dreckig, aber er hatte Poster von Königin Silvia an den Wänden. Er sagte Sachen wie ‚Ich schaffe schon seit 20 Jahren Drogen nach Schweden und von Schweden hierher. Ich liebe eure Königin. Habt ihr sie schon mal getroffen?’ Es war etwas beängstigend.”

Nachdem er gesehen hatte wie das wahre Leben aussieht, kam Alex zu dem Schluss, dass die Schauspielerei vielleicht doch nicht so verrückt war wie er gedacht hatte. Er studierte Theaterschauspiel in New York City und zog nach Los Angeles um, wo er eine sich eine Weile durchbeißen musste bis er die Rolle in Generation Kill an Land zog. Heute kann er sich vor Angeboten kaum retten. Ein Remake von Regisseur Sam Peckinpahs „Straw Dogs“ ist das nächste Projekt, gefolgt von Staffel drei der HBO-Vampir-Serie True Blood.

Wie geht er mit dieser neu gewonnenen Bekanntheit um? Besteht die Gefahr, dass er die Flucht ergreift und zur schwedischen Armee zurückkehrt? „Naja,“ lächelt er, „ ich versuche diese ganzen Blogs und Fanseiten im Internet nicht zu lesen, das würde mich nur wahnsinnig machen. Wenn ich etwas Schlechtes lese, würde ich denken es stimmt und wenn ich etwas Gutes lese, würde mein Ego explodieren. Es ist besser wenn man versucht sich davon fernzuhalten.“

Er ist der Meinung, dass die größte Herausforderung tatsächlich die Zusammenarbeit mit seinem Vater wäre. Als ich die Möglichkeit anspreche bekomme ich lange keine Antwort, dann sagt er leise: „ Das wäre schwierig.“ Aber dann kehrt die gute Laune zurück und mit ihr der lächelnde, schwedische Optimist. „Aber wissen Sie, es würde mit Sicherheit etwas Interessantes dabei herauskommen.“

Die zweite Staffel True Blood startet am Freitag auf FX.

Übersetzung von Emmy

Quelle

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