Der neue Fleischfresser:  Alexander Skarsgård

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Chris Mohney, 18. Dezember 2009, Foto: Chris Maluszynski

Als Eric Northmann in HBOs spannender Vampir-Saga True Blood ist Alexander Skarsgård kein durchschnittlicher Blutsauger. Klar, er ist groß, blass und hat einen Hang zum Aussaugen, aber er kaut nur selten die Szenerie – oder seine Co-Stars an und seine berüchtigte Art von Langeweile ist ein erfrischendes Gegengift zu den pubertierenden Twilight Leichtgewichten. Der 33-jährige Schauspieler, der sagt sein Charakter ist “sowohl ein Spiegel und eine eigenartige Reflexion meiner Persönlichkeit”, verkörpert gekonnt den ach so coolen Northman. Und das aus gutem Grund. Er hat das alles schon einmal gesehen, wenn auch auf kleinerer, skandinavischer Ebene als Sohn des international anerkannten Schauspielers Stellan Skarsgård.

Der angebliche neue Lover von Evan Rachel Wood wurde in seiner Heimat mit gerade mal 13 Jahren bekannt, und zwar für seine Rolle in dem Film “The Dog that smiled”. Er ließ die Schauspielerei für fast ein Jahrzehnt ruhen nach dieser Erfahrung, Skarsgård fürchtet das Berühmtsein jedoch nicht mehr. “Ich habe gelernt, mir keine Gedanken darüber zu machen und mich selber und meine Freunde nicht davon beeinflussen zu lassen”, sagt er ruhig. Während der Produktion zu seinem neuen Film, Sam Peckinpahs klassischem Thriller Straw Dogs (mit James Marsden und Kate Bosworth), fuhren Fans den ganzen Weg von Chicago nach Shreveport, Louisiana, nur um ein Autogramm zu bekommen. “Ja, es ist manchmal schon heftig”, sagt er. “Aber es ist eine gute Sache. Ich habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, klopf auf Holz. ”

In anderen Interviews hast du gesagt, dass deine Erfahrungen mit dem Ruhm als Kinderschauspieler ein wenig beängstigend waren und dich einige Jahre davon abgehalten haben zu spielen, aber dann in deinen frühen Zwanzigern hast du beschlossen, es nochmal zu versuchen. Was war der Auslöser?

Nun, ich weiß nicht, ob “beängstigend” der richtige Ausdruck ist. Meinen ersten Film habe ich mit 7 Jahren in Schweden gemacht. Ich habe es nie wirklich als Beruf gesehen oder zukünftige Karrieremöglichkeit, es macht mir einfach nur Spaß. Dann drehte ich mit 13 diesen Film und der bekam in Skandinavien ziemlich viel Aufmerksamkeit und damit fühlte ich mich einfach unwohl. Es ist verrückt mit 13 so viel Aufmerksamkeit zu bekommen. Als ich mit der Schauspielerei anfing, sagte ich nicht: “Ich werde ein großer Filmstar.” Es war keine schwere Entscheidung, damit aufzuhören. Und meine Eltern haben mich nie zu etwas gedrängt. Sie sagten: “Wenn du nicht leidenschaftlich und begeistert dabei bist, wenn du die Aufmerksamkeit nicht magst, tu einfach, was du tun willst.” Und sieben Jahre lang habe ich das getan. Und dann als ich 20 wurde, wie die meisten in diesem Alter, fing ich an darüber nachzudenken, was ich mit meiner Zukunft anfangen soll, und potentielle Karrieren und natürlich die Schauspielerei kamen wieder aufs Tablett. Ich erkannte, dass ich ein starkes Bedürfnis hatte, wieder auf einer Bühne zu stehen. Ich vermisste die Schauspielerei und ich wusste auch, dass mein Aufhören damals nichts mit dem Handwerk, der Arbeit an sich, zu tun hatte. Es hatte mit dem Drumherum zu tun. Also nahm ich an, jetzt mit 20 wäre alles anders als damals mit 13.

Du hast dich eher in der Lage gefühlt mit all dem umzugehen, an diesem Punkt, reife-technisch?

Ich war trotzdem ziemlich jung, aber immerhin älter als 13. Ich hatte das Gefühl es mir selber schuldig zu sein, es nochmal zu versuchen und zu sehen, wie ich damit klarkomme. Dann ging ich nach New York auf eine Schauspielschule und vom ersten Tag an war mir klar, wie sehr ich das alles vermisst hatte und wie sehr ich es liebe. Deswegen, danach habe ich nie wieder zurückgeblickt.

Dein Charakter in “Generation Kill”, Ice Man, welcher auf einem wirklichen Soldaten basiert, ist sehr reserviert und deine Darstellung war ähnlich verhalten. Die Szene, die ich am meisten mochte und die auch von vielen Leuten so kommentiert wurde ist die, als du (in Ermangelung eines besseren Wortes) im Lager im Kreis herumfegst. Wie ist es zu dieser Szene gekommen?

Es ist passiert. Es geschah wirklich. Ich habe diese Szene so geliebt als ich das Buch und das Script gelesen habe. Es ist ziemlich am Ende der Reise, sie sind außerhalb von Bagdad zu diesem Zeitpunkt, sie hatten den ganzen Wahnsinn fast hinter sich. Genau zu diesem Zeitpunkt geschah es, dass (mein Charakter) Colbert, der Ice Man, der immer Starke, für ein paar Sekunden einfach wieder Kind ist. Er musste in diesem Moment einfach alles raus lassen und ist der Mann, der sein Gewehr hinter sich lässt und einfach den Augenblick genießt, was er bis dahin nie getan hat.

Ich weiß, dass du dich entschieden hattest vorher nicht mit dem Mann zu sprechen, den du spielst, aber du hast ihn hinterher getroffen. Hast du mit ihm über diesen speziellen Moment gesprochen?

Ich erinnere mich nicht. Wir haben geredet, ich bin ziemlich sicher, wir haben über alles geredet. Ich hab ihm stundenlang Löcher in den Bauch gefragt. Es war so ein großer Moment für mich, ihn zu treffen und mit ihm zusammenzusitzen und mit ihm über die gesamte Reise zu reden, wie ihm die Serie gefällt und wie wir sie umgesetzt hatten, wie wir ihn und seine Kameraden dargestellt haben.

War er zufrieden?

Ich lebe noch, also nehme ich es an. Er schien es zu mögen. Es war sicher hart für ihn, weil es so persönlich war. Alles was ich in der Serie sage, als ich über seine Ex-Freundin sprach, Prostituierte und das alles, es ist wirklich, es sind Zitate aus dem wirklichen Leben. Er hat sich nicht danach gedrängt, dass dies eine große HBO Serie wird. Er hat all die Sachen zu seinen Männern gesagt, in diesem Humvee, und ja, er wusste, da war ein Reporter auf dem Rücksitz, aber nach ein paar Tagen vergaß man einfach, dass der Typ Journalist war. Wenn du müde bist und für einige Tage unterwegs, ist es hart dich selber zu zensieren. Aber ich glaube, er mochte was wir gemacht haben und sah es als Portrait dessen, was sie dort durchgemacht hatten. Es bedeutete mir viel das zu hören.

Im Gegensatz zu Ice Man haben wir nun Eric Northman aus True Blood, der sehr extravagant, rücksichtslos aber auch verwundbar ist. Welcher dieser Charaktere ist näher an deiner Wirklichen Person?

Ich denke, beide sind aus mir geboren. Ich verwende immer meine eigenen Gefühle und Erfahrungen bei der Darstellung einer Rolle, also denke ich, sie sind auch ein Spiegel und ein unheimliches Spiegelbild meiner Persönlichkeit. Außerdem, für mich als Schauspieler, muss ich fähig sein von Ice Man, den ich sieben Monate lang gespielt habe auf Eric zu switchen, der das genaue Gegenteil ist – extravagant, der Aufmerksamkeit mag, der immer im Mittelpunkt steht, das ließ mich sehr kreativ sein.  Ich möchte nicht den gleichen Charakter in zehn verschiedenen Projekten hintereinander spielen.

Ein Freundin von mir erwähnte, dass sie am meisten an der Dreiecksbeziehung, die in der Show besteht, mag, dass Eric und Bill unendlich viel Zeit damit verbringen sich gegenseitig in die Augen zu schauen, so wie Bill und Sookie. Und natürlich sagt Evan Rachel Woods Charakter in der Show, die beiden sollen es endlich miteinander tun. Wie fühlt ihr euch mit dieser Entwicklung?

Eric und Bills? Ich liebe es. Ich denke, es ist so ein Spaß für Eric mit Bill herum zuspielen, weil Bill so seriös ist, er ist noch jung und naiv in gewisser Beziehung und Eric mag das. Bill ist so:”Oh, ich bin verliebt und ich werde Sookie retten” und für Eric ist Bill nicht mal 200 Jahre alt, also ist er für Eric noch ein Baby. Eric weiß, dass er die Kontrolle und Macht über Bill hat und er genießt diese Momente, wo Bill sauer und angefressen ist, weil Bill für Eric  keine richtige Bedrohung ist.

Hast du einen Unterschied zwischen True Blood und Twilight Fans bemerkt? Du wirst doch nicht in Hotels gejagt wie Pattinson, oder?

Die True-Blood-Fans sind sehr anhänglich, sie nehmen das sehr ernst, es kann schon heftig werden, aber ich versuche das positiv zu sehen. Ich habe unten in Shreveport einen Film gedreht und da waren diese Fans, die aus Chicago und Miami ins Hotel kamen nur um ein Autogramm zu bekommen. Ich würde sowas nie machen, aber andererseits weiß ich wirklich zu schätzen wie sehr sie die Show lieben. Ich habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. *auf Holz klopft*

Eine der Folgen deiner wachsenden Berühmtheit ist neuerdings, dass dein Privatleben unter die Lupe genommen wird. Menschen verbinden dich mit Evan Rachel Wood oder Kate Bosworth. Wie gehst du damit um?

Ich kenne das aus Skandinavien aus den letzten 10 Jahren, plus aus den Jahren aus Kinderschauspieler, das war genauso, nur jetzt ist es tausendmal größer. Obwohl ich gerade erst anfange hier in den Staaten berühmt zu werden, muss ich damit umgehen, dass mich Leute erkennen oder mich ansehen, wo ich auch bin und Gerüchte über mich und mein Privatleben verbreiten. Daran bin ich schon gewöhnt. Ich habe gelernt, mir darüber keine Gedanken zu machen. Es ist ziemlich das Gleiche, nur eben viel größer hier.

Bis vor kurzem hatte ich ganz vergessen, dass du eine Rolle in Zoolander als Meekus hattest. Wie in aller Welt bist du in diesem Film gelandet?

Ich war hier in den Staaten im Urlaub. Mein Vater ist Schauspieler und er arbeitete in L.A. und seine Managerin wusste, dass ich zu der Zeit in Schweden arbeitete. Sie sagte:”Nun, willst du raus gehen und bei jemandem für eine Rolle vorsprechen?” Und ich dachte:”Oh, das ist lustig, weißt du, ich bin in Hollywood und werde das einfach versuchen.” Und ich glaube, Zoolander war mein erstes und einziges Vorsprechen und ich bekam die Rolle.” Ich dachte so: “Das war leicht – kann es so leicht sein in Hollywood?” Und dann kam ich zwei Jahre später natürlich wieder und habe realisiert, dass ich wirklich Glück hatte und ich habe ein paar Jahre für meinen nächsten Gig gebraucht. Also war das nur Zufall. Es war eine unglaubliche Erfahrung für mich, ohne Erwartungen aus der winzigen Filmbranche in Schweden zu kommen. Nicht dass ich in L.A. versucht hätte Arbeit zu bekommen. Ich war in Urlaub mit meiner Familie und zwei Wochen später hab ich mich in Tribecca in Manhatten wiedergefunden, an einem Set mit Ben Stiller und Owen Wilson und Will Ferrell. Ich flog kurz danach zurück nach Stockholm und verbrachte drei weitere Jahre in Schweden, danach kehrte ich in die Staaten zurück. Ich war ein wenig naiv, als ich zurückkam, denn ich dachte:”Sahneschnitte, du gehst rein, du liest vor, die bekommst den Job, du machst den Job.” Aber dann musste ich mich der Realität stellen und merkte, es ist nicht einfach.

Der Film in Shreveport, über den du schon gesprochen hast, war Straw Dogs. Erzähl mir davon.

Es ist ein Remake und doch ist es keins. Rod Lurie hat es geschrieben und Regie geführt und man kann nicht einfach einen Sam Peckinpah Film kopieren, es macht keinen Sinn das zu tun. Man muss noch etwas hinzufügen und ich glaube, Rod hat das geschafft. Was mich reizte war, dass es auch ein Dreiecks-Liebesdrama dort gibt. Mein Charakter hat eine Geschichte mit Kate Bosworth’s Charakter. Sie waren viele Jahre in einer Beziehung, sie verlässt die Stadt und kommt 10 Jahre später mit James Marsdens Charakter zurück, einem Autor aus Hollywood. Es ist ein Kulturschock.

Das ist eine Veränderung, gemessen an dem was du vorher gespielt hast.

Ja, ich meine, das ist ein Typ aus den Südstaaten, also was ganz anderes.

Wenn ich richtig verstanden habe, wurde dein Vater für Thor gecastet und du warst im Rennen für die Titelfigur, was dachtest du über diese Aussichten?

Ich war ziemlich geschmeichelt. Ich weiß, dass sie mich für die Rolle wollten und ich war, soweit ich verstanden habe, ziemlich nah dran, die Rolle zu bekommen und das ist erstaunlich, weil ich weiß, wie viele Leute sie sich für so eine Rolle ansehen. Das hat mich bewegt. Es war eine gute Erfahrung, du weißt schon, mal gewinnt man, mal verliert man, natürlich wollte ich die Rolle, aber…

Hast du dafür vorgesprochen?

Ja, natürlich. Viele, viele Male.

Zu guter Letzt, magst du uns einige deiner Lieblingsplätze zum Ausgehen in New York oder L.A. verraten?

Normalerweise gehe ich zu Haus-Partys. Ich komme aus Schweden und wir gehen in Schweden nicht bis nachts 1 Uhr in Clubs, also ist es hart für mich, mich an L.A. anzupassen, wo man 10 Uhr abends loszieht und die Bars schließen dann um 1:30 Uhr und du musst noch fahren. Ich bleibe lieber in einem Umkreis wo man nicht fahren muss und abhängen kann, so lange man möchte.

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